Beckenschiefstand und Beinlängen- Differenz: Wie man den Ausgleich schafft

Haben Sie das Gefühl, dass Ihre Beine nicht gleich lang sind? Eine Untersuchung beim Facharzt für Orthopädie bringt Klarheit.

Es kann vorkommen, dass Sie auf einem Röntgen-Befund lesen, dass Ihr Becken nicht waagrecht ist, sondern dass eine Seite um wenige Millimeter höher steht als die andere. Ein solcher Befund ist kein Grund zur Sorge, wenn Sie keine Beschwerden haben. Ein leichter Beckenschiefstand ist nicht ungewöhnlich und oft vorübergehend. Meist sind muskuläre Verspannungen oder Blockaden die Ursache. Sobald sie sich lösen, ist auch das Becken wieder gerade.
Wenn Sie der Befund aber beunruhigt oder wenn Sie nach längerem Sitzen oder Stehen Schmerzen im unteren Rücken haben, fragen Sie Ihren Orthopäden. Er wird Ihren Beckenstand im Stehen, Sitzen und Liegen untersuchen und kann beurteilen, ob eine Behandlung notwendig ist.
Die Ursache des Schiefstands ist meist eine Verdrehung des Beckens, die durch Verspannungen in der unteren Wirbelsäule oder durch Blockaden im Darm-Kreuzbein-Gelenk zustande kommt. Seltener sind ungleich lange Beine durch Abnutzungen im Knieoder Hüftgelenk der Grund.

Wieder gerade werden

Bei einem geringen Beckenschiefstand ist oft keine Therapie notwendig, weil der Körper eine leicht schiefe Position des Beckens problemlos ausgleichen kann. In einigen Fällen sollte ein schiefes Becken aber behandelt werden, zum Beispiel wenn der Beckenschiefstand Beschwerden verursacht oder sich die Wirbelsäule deswegen stark verkrümmt. Welche Behandlung im Einzelfall am besten geeignet ist, hängt von der Ursache des Schiefstandes ab. Wenn ein „echter“ Beinlängen-Unterschied besteht, der so groß ist, dass er behandlungsbedürftig ist (mehr als 5mm), werden Einlagen oder Schuhe mit erhöhten Sohlen verordnet, um die Differenz auszugleichen und Knie, Hüfte und Wirbelsäule zu entlasten. Stecken jedoch Muskelverspannungen oder Gelenksblockaden hinter dem Beckenschiefstand, sind ausgleichende Schuh-Einlagen kontraproduktiv, weil sie den Schiefstand unterstützen. In diesem Fall ist es besser, die Blockaden mit Physio- und Bewegungstherapie zu lösen. Spezielle Übungen und Entspannungstherapien bringen das Becken und die Wirbelsäule wieder in die richtige Position zurück.

Kinder im Wachstum beobachten

Die Knochen wachsen nicht immer gleich schnell. Wächst ein Bein schneller als das andere, dann steht das Becken in dieser Zeit schief. Für kurze Zeit ist das kein Problem. Ein länger andauernder Schiefstand kann aber zu dauerhaften Schäden führen. Denn der Körper versucht, den Schiefstand auszugleichen, indem sich die Wirbelsäule an die Fehlhaltung anpasst. Dazu muss sie sich seitlich verkrümmen. Es kommt zur Skoliose. Beckenschiefstände und Beinlängen-Differenzen bei Kindern müssen daher beobachtet und unter Umständen behandelt werden. Regelmäßige Untersuchungen beim Facharzt für Orthopädie sind für Kinder deshalb wichtig. Besonders in Phasen starken Wachstums (im Alter zwischen 8 und 16 Jahren) werden jährliche orthopädische Kontrollen empfohlen.

Dem Schiefstand vorbeugen

Am besten verhindern Sie einen Beckenschiefstand, indem Sie Ihren Rücken mit regelmäßiger Bewegung stärken und so für eine aufrechte Haltung sorgen. Vor allem wenn Sie im Alltag oft und lange sitzen, ist es wichtig, zum Ausgleich die Rückenmuskeln gut zu trainieren. Das gilt selbstverständlich auch für Kinder und Jugendliche.