Das Kreuz mit dem Kreuz: Ursachen von Rückenschmerzen sind vielfältig

Unsere Wirbelsäule besteht aus 32 bis 34 Wirbelkörpern, 23 Bandscheiben sowie zahlreichen Bändern, Muskeln und kleinen Gelenken. Rückenschmerzen können daher die verschiedensten Gründe haben. Um sie richtig behandeln zu können, sollte die Ursache von einem Facharzt für Orthopädie geklärt werden.

Ärzte unterscheiden zwischen spezifischen und unspezifischen Rückenschmerzen. Bei spezifischen Rückenschmerzen ist eine eindeutige Ursache für den Schmerz zu finden, z. B. ein Bandscheibenvorfall, eine Verletzung oder eine rheumatische Erkrankung.

Viel häufiger sind jedoch Rückenschmerzen unspezifisch, d. h., die Ursache sind Störungen in der Funktion des Rückens wie z.B. Blockierungen, Muskelverspannungen oder Funktionseinschränkungen. Man weiß aber, welche Faktoren ein Risiko darstellen. Das sind: Fehl-, Über- und einseitige Belastungen, Bewegungsmangel, Übergewicht und Stress. Für die Diagnostik wird der Arzt eine körperliche Untersuchung durchführen. Bei unspezifischen Rückenschmerzen sind weitere Untersuchungen wie Röntgen oder Magnetresonanztomografie (MRT) nicht gleich nötig. Erst wenn die Beschwerden trotz Therapie nicht besser werden, sollten diese Untersuchungen durchgeführt werden. Wenn Ärzte den Verdacht auf spezifische Rückenschmerzen haben, werden sie je nach Beschwerden frühzeitig notwendig.

Die häufigsten Ursachen für spezifische Rückenschmerzen sind:

Bandscheibenvorfall

Zwischen den knöchernen Wirbelkörpern liegen die Bandscheiben. Sie dienen als Stoßdämpfer und sind wichtig für die Beweglichkeit der Wirbelsäule. Eine Bandscheibe (lateinisch: discus) besteht aus einem Ring aus Faser- Knorpel und einem weichen, flüssigkeitsreichen Kern. Im Lauf des Lebens wird der knorpelige Teil der Bandscheiben abgenutzt und dünner. Bei Fehlhaltungen und chronischen Muskelverspannungen werden die Bandscheiben rascher abgenutzt. Wenn durch zu starke Abnützung des Faser-Ringes der innere, flüssige Kern der Bandscheibe nach außen in den Wirbelkanal dringt, kann es durch Druck auf die Nerven zu starken Schmerzen kommen, aber auch zu Gefühlsstörungen, Taubheitsgefühl und Muskelschwäche bis in die Beine hinab. Auch Störungen bei der Ausscheidung (Lähmung von Blase oder Mastdarm) können auftreten. Bandscheiben-Vorwölbungen bzw. -vorfälle in der Halswirbelsäule verursachen Beschwerden in den Armen. In den meisten Fällen wird ein Bandscheibenvorfall zunächst „konservativ“ behandelt, das bedeutet z. B. mit schmerzstillenden Medikamenten, Manualtherapie, Injektionen und Physiotherapie. Oft kann man damit erreichen, dass die Schwellung abklingt und die Bandscheibe nicht mehr auf den Nerv drückt. Wenn die konservative Therapie auf Dauer nicht hilft oder Lähmungserscheinungen auftreten, wird das geschädigte Bandscheiben- Gewebe operativ entfernt (= Diskektomie).

Wirbelsäulen-Arthrose

Die Fortsätze der einzelnen Wirbelkörper sind mit kleinen Gelenken, den sogenannten Zwischenwirbel- Gelenken (= Facetten-Gelenke) miteinander verbunden. Auch hier liegen kleine Knorpel dazwischen.

Wie in jedem anderen Gelenk kann es auch in den Gelenken der Wirbelsäule zu Verschleißerscheinungen und Arthrose kommen. Wenn sich die Knorpel in den kleinen Facetten-Gelenken abnutzen – durch Alter oder falsche Belastung –, spricht man von Wirbelsäulen-Arthrose (= Spondylarthrose).

Am häufigsten tritt die Wirbelsäulen- Arthrose im unteren Teil des Rückens, also in der Lenden-Wirbelsäule auf. Die Schmerzen können ins Gesäß und bis in die Beine ausstrahlen und sind morgens nach dem Aufstehen am stärksten. Durch Bewegung lassen sie etwas nach. Dieser sogenannte Anlauf-Schmerz ist typisch für alle Arthrosen, sei es im Knie, in der Hüfte, in den Fingern oder eben in der Wirbelsäule.

Bei der Arthrose-Therapie – egal, welches Gelenk betroffen ist – geht es vor allem darum, die Schmerzen zu lindern und ein weiteres Fortschreiten der Erkrankung zu verlangsamen. Mit Physiotherapie, Injektionsblockaden und Schmerztherapie sollen die Belastbarkeit und die Beweglichkeit des Gelenks noch für möglichst lange Zeit erhalten bleiben. Wie bei allen Gelenken gilt auch hier: Bewegung ist ein sehr wichtiger Aspekt. Regelmäßige Bewegung beugt Arthrose vor und kann bereits bestehende Beschwer- den lindern.

Wirbelkanal-Verengung

Durch Abnutzung von Wirbeln und Bandscheiben kann es zu einer Verengung des Wirbelkanals (= Spinalkanal- Stenose) kommen, die sich in Müdigkeit der Beine, Schmerzen bei bestimmten Bewegungen oder beim Gehen und manchmal auch Empfindungsstörungen und anderen Beschwerden äußert. Mit Physiotherapie, schmerzstillenden Medikamenten und verschiedenen Injektionsverfahren (z. B. Kreuzstich) wird versucht, die Beschwerden zu lindern. Eine operative Behandlungsmöglichkeit ist die mikrochirurgische Dekompression. Dabei wird der Wirbelkanal erweitert und jene Anteile, die Druck auf die Nervenwurzeln oder das Rückenmark ausüben, entfernt werden.

Wirbel-Gleiten

Im Fall von Wirbel-Gleiten (= Spondylolisthesis) sind einzelne Segmente der Wirbelsäule instabil, wodurch sich die Wirbel langsam gegeneinander verschieben, was Schmerzen verursachen kann. Mit einer selten notwendigen Operation können die Wirbel stabilisiert werden. Sonst sind orthopädische Therapien, Wirbelsäulen- stabilisierende Sportarten und Physiotherapie ausreichend.

Wirbel-Einbruch

Einbrüche von Wirbelkörpern sind fast immer ein Anzeichen von schwerer Osteoporose. Die Knochen sind so porös, dass sie bei geringster Belastung brechen. Die möglichen Folgen sind Rückenschmerzen, Rundrücken und Muskelverspannungen. Durch die Einengung können auch Beschwerden im Brustkorb oder Bauchraum auftreten. Neben der orthopädischen Akuttherapie (Schmerztherapie, Förderung der Knochenheilung durch Bewegungstherapie und eventuell kurzfristig ein Rückenmieder) muss die Osteoporose behandelt werden, um weitere Brüche zu verhindern.

Morbus Bechterew

Der Morbus Bechterew, auch Spondylitis ankylosans oder Spondylarthritis, ist eine chronische rheumatische Erkrankung, bei der es zur Versteifung von Gelenken kommt. Am häufigsten betroffen sind die Gelenke der Wirbelsäule und die Hüfte. Meist treten tief sitzende Schmerzen im Bereich der Kreuz-Darmbein-Gelenke auf, die sich durch Bewegung bessern. Bei rheumatischen Erkrankungen werden neben schmerzstillenden Medikamenten auch ganz bestimmte Rheuma-Medikamente eingesetzt. Zusätzlich ist eine spezielle Heilgymnastik sehr wichtig bei Morbus Bechterew, um die zunehmende Versteifung zu verlangsamen.