Gicht: Krankheit der Könige?

Bis ins 19. Jahrhundert galt die Gicht als Krankheit der reichen Leute. Tatsächlich waren bis dahin hauptsächlich Menschen betroff en, die sich einen bequemen Lebensstil und üppige Nahrung leisten konnten. Die Durchschnittsbevölkerung ernährte sich vorwiegend von Brot, Gemüse, Kartoff eln und Milchprodukten: eine ausgezeichnete Diät, um Gicht zu vermeiden.

Fleisch, besonders Innereien und Haut, aber auch andere Lebensmittel wie Hülsenfrüchte enthalten viel Purin. Nach dem Verzehr werden beim Menschen die Purine zu Harnsäure abgebaut und über die Nieren ausgeschieden. Wenn allerdings zu viel Harnsäure im Blut ist, wird das Transportsystem des Körpers überfordert. Überschreitet die Harnsäure-Konzentration im Blutserum einen bestimmten Schwellenwert (6,8mg/dl), bilden sich Harnsäure-Kristalle, die sich in Gelenken, Sehnenscheiden und in der Niere ablagern können.

In den Gelenken machen sich die Harnsäure-Kristalle äußerst schmerzhaft bemerkbar. Ein Gichtanfall beginnt meistens in der Nacht oder am Morgen. Sehr oft ist das Grundgelenk der großen Zehe betroffen (= Podagra).

Aufgrund der veränderten Ernährungsgewohnheiten ist die Gicht heutzutage nicht mehr nur eine Krankheit der Fürsten und Könige, sondern im Gegenteil in der westlichen Welt sehr verbreitet. Zu üppiges Essen und Alkoholkonsum sind meistens der Grund für die Entstehung der Gicht. Seltener sind es andere Ursachen. Zu erhöhten Harnsäure-Spiegeln kann es zum Beispiel auch kommen, wenn die Ausscheidung der Harnsäure über die Niere nicht richtig funktioniert. Die genetische Veranlagung scheint ebenfalls eine Rolle zu spielen. Auch strenge Fastenkuren mit raschem Gewichtsverlust und ungenügendem Flüssigkeitskonsum erhöhen das Risiko für Gicht.