Rückenschmerz: Interventionelle Schmerztherapie

Unter diesem Begriff wird eine Reihe moderner und hocheffektiver Therapien zusammengefasst, die sich in den letzten Jahren in der Behandlung von Wirbelsäulenbeschwerden etabliert haben.

Wirbelsäulenerkrankungen zählen zu den häufigsten Beschwerden des Bewegungsapparates. Die Wirbelsäule hat vielfältige Funktionen: Sie ermöglicht die Bewegung unseres Rumpfes, schützt dabei empfindliche Strukturen wie das Rückenmark und die Spinalnerven und ermöglicht darüber hinaus den aufrechten Stand des Menschen.
Aus der Vielfalt ihrer Aufgaben ergibt sich auch die komplexe Anatomie der Wirbelsäule. Dadurch ist bei sämtlichen Behandlungsverfahren eine örtlich präzise Behandlung von besonderer Bedeutung. Ein internationaler Trend, der sich nun auch in Österreich bemerkbar macht, ist die Verwendung unterschiedlicher bildgebender Verfahren zur Erreichung dieses Zieles. Die Anwendung eines „Bildwandlers“ (= ein digitales, strahlungsarmes Röntgengerät), eines CTs oder eines Ultraschallgerätes ist dabei möglich. Jedes dieser Verfahren hat gewisse Vor- und Nachteile, auf die in diesem Artikel eingegangen werden soll.

Wann ist eine Anwendung sinnvoll?

Jeder Behandlung müssen eine gründliche körperliche Untersuchung und eine aktuelle Bildgebung vorausgehen. Die Techniken werden bei einer Vielzahl von Wirbelsäulenbeschwerden angewendet. Die häufigsten sind der Bandscheibenvorfall sowie schmerzhaft gereizte Wirbelgelenke, die sogenannten „Facettengelenke“. In beiden Fällen zielt die Behandlung auf eine Reduktion von schmerzauslösenden Entzündungsprozessen, die durch ein Lokalanästhetikum und geringe Dosen von nur lokal wirksamem Kortison erreicht wird.

Bildwandler mit Behandlungstisch

Häufige Techniken der interventionellen Schmerztherapie

Die Techniken gliedern sich in bildunterstützte Infiltrationstechniken sowie in weiterführende Therapien, die „Radiofrequenzverfahren“.
Die hohe Wirksamkeit der Methoden ergibt sich durch die örtlich präzise Anwendung unmittelbar an einer schmerzauslösenden Struktur. Im Vergleich zu einer systemischen Gabe entzündungshemmender Medikamente (als Tablette oder Infusion) ist die Belastung für den Gesamtorganismus sehr gering und Nebenwirkungen sind somit äußerst selten.

Die Nervenwurzelinfiltration („Wurzelblockade“)

Diese Maßnahme kann prinzipiell in jedem Abschnitt der Wirbelsäule durchgeführt werden. Die häufigsten Anwendungen betreffen die Lendenwirbelsäule. Bei einem Bandscheibenvorfall entsteht durch Druckausübung eine Entzündung der benachbarten Nervenwurzel.
Ist das ausgetretene Bandscheibenmaterial eher flüssigkeitshältig, so gibt es die Chance, dass das Gewebe vom Körper selbst aufgelöst (= „resorbiert“) wird. Die Maßnahmen der interventionellen Schmerztherapie zielen somit darauf ab, die entzündliche Reaktion des Spinalnervs in der Akutphase und dadurch die Schmerzen zu lindern, um die Zeit des Auflösungsprozesses möglichst schmerzarm zu machen.

Intraartikuläre Infiltrationen

Stammt der Schmerzreiz von den kleinen Wirbelgelenken (den sogenannten „Facettengelenken“), wird eine Infiltrationsnadel direkt in den wenige Millimeter messenden Gelenksraum eingebracht, um die korrekte Lage dann mittels eines dann mittels eines Kontrastmittels zu dokumentieren. Diese Maßnahme kann sehr gute therapeutische Effekte erzielen oder – bei doch nur kürzerer Wirksamkeit – zumindest einen wichtigen Hinweis auf die Schmerzursache liefern, der als Grundlage für weitere Behandlungsmöglichkeiten dient.

Radiofrequenzverfahren

Darunter versteht man die Anwendung hochfrequenter elektrischer Impulse, mit deren Hilfe die Schmerzleitung von arthrotischen Wirbelgelenken unterbrochen wird. Die Gelenke werden somit „schmerztherapeutisch ausgeschaltet“. Die Intervention erfolgt unter Lokalanästhesie.

Unter Röntgenkontrolle kann der schmerzende
Nerv präzise behandelt werden.

Arten der unterstützenden bildgebenden Verfahren

Die Methoden werden unter Zuhilfenahme eines digitalen Röntgens (eines sogenannten „Bildwandlers“), unter dem CT oder mittels Ultraschall durchgeführt. International hat sich für die Nervenwurzelinfiltration der Bildwandler aufgrund der hohen Sicherheit und der minimalen Strahlenbelastung durchgesetzt. Insbesondere bei wiederholter Anwendung ist dies der entscheidende Vorteil gegenüber der Verwendung eines CTs.
Bei der Infiltration der Wirbelgelenke jedoch ist die Verwendung des Ultraschalls aufgrund jüngster technischer Verbesserungen der Geräte eine gute Alternative.

Wo wird die interventionelle Schmerztherapie angeboten?

Die interventionellen Verfahren werden derzeit auf verschiedenen, vorwiegend orthopädischen Spitalsabteilungen angeboten. Dazu ist jedoch oftmals ein kurzer stationärer Aufenthalt erforderlich. Vereinzelt sind auch orthopädische Ordinationen entsprechend ausgestattet. In Radiologie- Instituten wird vorwiegend die interventionelle Schmerztherapie unter dem CT angeboten.

Die interventionelle Schmerztherapie ist eine moderne Therapieform und stellt eine wertvolle Ergänzung zu konservativen Therapiemöglichkeiten dar. Wie jede Methode hat sie jedoch auch medizinisch begründete Grenzen, die von dem durchführenden Arzt unbedingt erkannt werden müssen.