Stoßdämpfer: Bandscheiben und ihre Vorfälle

Zwischen den Wirbelkörpern liegen die Bandscheiben.
Sie dienen als „Stoßdämpfer“ und sind mitverantwortlich für die Beweglichkeit der Wirbelsäule.

Die Bandscheiben haben keine Blutgefäße. Sie saugen nachts Flüssigkeit aus dem umliegenden Gewebe auf, um sich „aufzupolstern“. Durch Stehen, Sitzen und Bewegung wird diese Flüssigkeit tagsüber zum Teil wieder aus den Bandscheiben herausgedrückt. Jede Bandscheibe besteht aus einem knorpeligen Ring und einem weichen, gallertigen Kern.
Im Alterungsprozess nutzen sich die Bandscheiben ab und werden dünner. Durch Fehlhaltungen und Fehlbelastungen kann der Faserring vorzeitig abgenützt werden. Wenn dann der Bandscheiben- Kern in den Wirbelkanal vordringt und dort auf die Nerven des Rückenmarkkanals drückt, macht sich das sehr schmerzhaft bemerkbar. Man spricht dann von einer Bandscheibenvorwölbung (Diskus-Protrusion) oder einem Bandscheibenvorfall (Diskus-Prolaps). Neben Schmerzen kann es zu Taubheitsgefühlen, Muskelschwäche und Lähmungen in Armen oder Beinen kommen. Bei Bandscheibenvorfällen in der unteren Wirbelsäule können Störungen der Blasen- und Darm-Funktion auftreten.
Im Röntgen sind die Bandscheiben nicht sichtbar, weil sie nicht aus Knochen-Gewebe, sondern aus Knorpel bestehen. In der Magnetresonanztomografie (MRT) kann man Vorwölbungen erkennen, jedoch ist diese Untersuchung oft gar nicht notwendig, wenn die Symptome eindeutig sind.
Die meisten Bandscheibenvorfälle können konservativ behandelt werden, das bedeutet „erhaltend“, also ohne Operation. Mit Medikamenten werden die akuten Schmerzen gelindert. Oft verschwinden die Schmerzen wieder, wenn die Schwellung zurückgeht und der Bandscheiben- Kern nicht mehr auf den Nerv drückt. Physikalische Therapie und Injektionen an der Wirbelsäule können ebenfalls schmerzmildernd und abschwellend wirken. Vor allem aber ist eine Bewegungstherapie wichtig, um neuerlichen Beschwerden vorzubeugen. Denn mit gestärkten Rückenmuskeln sinkt die Gefahr, dass die Bandscheibe wieder „verrutscht“.
Ob eine Operation notwendig ist, entscheidet Ihr Arzt. Störendes Bandscheiben- Gewebe wird dabei mikrochirurgisch entfernt (= Diskektomie). „Mikrochirurgisch“ bedeutet, dass nur ein kleiner Schnitt notwendig ist.

Bandscheibenvorfall von oben und von der Seite betrachtet: Der Faserring ist defekt, der weiche Bandscheiben-Kern tritt aus und drückt auf den Nerv im Wirbelkanal.

Bandscheibenvorfall von oben und von der Seite betrachtet: Der Faserring ist defekt, der weiche Bandscheiben-Kern tritt aus und drückt auf den Nerv im Wirbelkanal.